
Seit mittlerweile 15 Jahren bin ich den Notarztkursen in Langenargen und nun in Roggenburg treu. Einer meiner Mentoren, Dr. Dr. Burkhard Dirks hat mich damals kurz nach meiner Approbation in sein Ausbilderteam geholt. Lange bin ich nun schon selbst Notarzt und aus den Tutoren von damals sind auch gestandene Persönlichkeiten geworden. Nachdem der Kurs nicht mehr im Schloss Montfort in Langenargen stattfinden kann, haben wir glücklicherweise im Kloster Roggenburg nahe Ulm eine neue Heimat gefunden. Somit rückte der Kurs auch näher an den Veranstalter, die Akademie der Wissenschaften der Universität Ulm. Geleitet wird der Kurs mittlerweile von Prof. Claus Muth, Prof. Björn Hossfeld und Dr. Steffen Herdtle sowie unter der organisatorischen Leitung von Dr. Benjamin Conzen und David Davis.
Früher war ich die ganze Kurswoche vor Ort, dies lässt die Praxis nun nicht mehr zu – aber dennoch ist es mir eine große Freude und Ehre mit ein paar Vorträgen einen Impuls zu setzen. Besonders hat es mir der Kursstart angetan: Die Teilnehmer/innen sind interessiert und motiviert, es besteht ein großes Interesse das „Mindset“ für die Tätigkeit in der Notfallmedizin ab zu stecken.
Hierzu passen meine Impulse zu den Themen „Aufgaben des Notarztes“, „CRM / Human Factors“ und „Kommunikation“.
Mein Ziel ist es das Feuer der Leidenschaft für die Notfallmedizin zu entfachen und mit viel Brennholz zu versorgen, damit das Feuer doch möglichst mehrere Jahrzehnte lodert. Klar kann / mag nicht jeder meine Passion für die Notfallmedizin teilen, muss auch nicht sein, aber ich finde es dennoch traurig, dass einige Notärzte den Job nur machen, weil es ihre (aufgezwungene) Dienstaufgabe ist. Ich bin der festen Überzeugung, dass dies Auswirkungen auf die Performance im Einsatz hat. Passend dazu ist einer meiner Leitsprüche: „The only way to do great work is to do what you love.“
Diese Liebe zum Beruf kann man nicht erzwingen, noch kaufen. Aber man kann sie meiner Meinung nach „herauskitzeln“, in dem man das Privileg und die schönen Seiten an der Arbeit herausarbeitet. Für mich ist es anhaltend das Größte, dass ich Menschen in ihren schwächsten und vulnerabelsten Momenten beistehen darf. Die Umgebungsbedingen mögen auch politisch nicht gut sein, aber es bleibt ein verantwortungsvolles Privileg. „Making a difference“ wird dadurch möglich und ist für mich höchst befriedigend. Man muss Verantwortung für den Patienten und das Rettungsteam übernehmen, aber das mach ich gern und ist mir eine Ehre. Ich sehe mich nicht als „Chef“, sondern eher als verantwortungsbewußter „Kapitän“ dieses Mannschaftssports. Keinesfalls darf man sich dabei wichtig nehmen oder sich überhöhen – „simply try to do your best, not to be the best“ ist mir hier das passende Motto. Es geht um den Patienten und um seine Chance auf eine Rückkehr ins normale Leben „so others may live“.
Schon immer hatte ich bei meiner notfallmedizinischen Arbeit hohe Ansprüche an mich selbst und wollte und will mich anhaltend bestmöglich qualifizieren. Ich will ein „Strassenköter“ ohne Allüren sein, der ‚on scene‘ eine top Arbeit macht. Dafür schrubbe ich auch weiterhin viele Dienste, oft auch zu undankbaren Zeiten.
Ich habe aber für mich erkannt, dass ich durch diese Tätigkeit immer nur für einen Patienten und sein Umfeld hilfreich sein kann. Wenn ich mich jedoch in der Ausbildung und Förderung junger Kollegen sowie berufspolitisch engagiere, kann ich viel mehr als durch meine eigene aktive Einsatztätigkeit erreichen. Wenn es mir gelingt Andere in positiver Hinsicht zu prägen, so komme ich meinem Ziel der beruflichen Erfüllung deutlich näher. Hierzu ist es aber wichtig, dass man (künftige) Kollegen nicht als Konkurrenz betrachtet, sondern das Gute im Tun der Anderen erkennt. Bestenfalls werde ich zum Fan meiner Kollegen, so kann ich am besten auch von Ihnen Hinweise und Verbesserungsoptionen für mich annehmen.
Leider ist das Studium und die ersten Jahre im Job nicht die beste Zeit um empathische und motivierte Ärzte hervor zu bringen, dazu sind oft veraltete Hierarchien und miese Arbeitsbedingungen kein guter Nährboden.
Umso wichtiger finde ich, dass man dann eine gute Ausbildung erfährt und somit einen realistischen Blick auf diese phantastische Tätigkeit bekommt.
Daher werde ich weiterhin versuchen meinen bescheidenen Beitrag zu leisten.