Die Arbeitsgemeinschaft südwestdeutscher Notärzte (agswn) ist die notärztliche Interessensvertretung in den Bundesländern Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Im Rahmen des interprofessionellen und interdisziplinären Ansatzes dieser Organisation steht aber auch Nichtärzten der Verein und seine Veranstaltungen offen.
Die agswn ist somit auch ein Mitglied der Bundesarbeitsgemeinschaft der Notärzte Deutschlands (BAND). Die Vereinsarbeit ist eine Mischung aus Berufspolitik, Interessensvertretung der Mitglieder, wissenschaftlicher Arbeit und notfallmedizinische Aus- und Weiterbildung.
Die Jahrestagung, welche traditionell im März zur Zeit der Krokusblüte in Baden-Baden stattfindet, steht immer unter dem Motto „state of the art“. Damit will die Arbeitsgemeinschaft ihren Anspruch zum Ausdruck bringen, die Jahrestagung zu nutzen um die Anwesenden auf den notfallmedizinischen „Stand der Dinge“ aus den drei Bundesländern zu bringen. Für mich ist es immer erstaunlich und betrachte es als Stilblüte des Föderalismus, wie sehr sich die Voraussetzungen in den drei Bundesländern unterscheiden.
Dieses Jahr wurde im ersten Sitzungsblock das rettungsdienstliche Qualitätsmanagement beleuchtet. Essentiell ist darin nicht das Mittel zum Zweck zu sehen, sondern sich pragmatische Hilfestellungen ab zu leiten. Hier gibt es noch viel Potential, aber leider noch viele technische und organisatorische Hemmnisse und die die Analyse kann nur so gut werden wie es die erhobenen Daten sind.
Im Vorfeld der Jahrestagung finden traditionell die Baden-Badener Gespräche statt. Diese politischen Gespräche wurden dieses Jahr von den Reformplänen der Notfallversorgung und Auswirkungen für den Rettungsdienst geprägt. Eine Zusammenfassung dieser Gesprächsrunde wird dann im Rahmen der Jahrestagung dem Plenum vorgestellt.
Ein weiteres Thema war die Entstehung des Notarztindikationskataloges der Bundesärztekammer und die landesweite Umsetzung. Hier ist eine regional differente Umsetzung augenscheinlich, so dass eine Reduktion von 10 bis über 50% der Notarzteinsätze berichtet wird. Im Anschluss wurde auch die aktuelle Entwicklung auf dem Weg zum Eckpunktepapier 2025 vorgestellt.
Die nächste Sitzung widmete sich aktuellen Innovationen und passenden Leuchtturmprojekte. Es bleibt spannend, welche Ideen sich hier durchsetzen und Verbreitung finden werden.
Am zweiten Tagungstag beschäftigte sich mit unterschiedlichen MANV-Konzepten auch im Kontext der aktuell sich entwickelnden Bedrohungslage.
Den nächsten Block durften wir von der Jungen agswn (was das ist werde ich separat berichten) gestalten. Mir wurde die Ehre zuteil den Aufschlag zu CRM in der Notfallmedizin machen ehe die Kollegen/innen übernommen haben zu unterschiedlichen Kurskonzepten und der standardisierten Übergabe nach dem SINNHAFT-Konzept.
Aktuelle wissenschaftliche Arbeiten wurden im nächsten Block exemplarisch vorgestellt, ehe der diesjährige Kirschner-Preis an eine wertvolle Arbeit aus dem Bereich des Airwaymanagements vergeben wurde.
Der abschließende Block widmete sich der wichtigen Technik des präklinischen Ultraschalls bis hin zum Einsatz einer präklinischen Regionalanästhesie.
Als wären die Vortragssessions nicht schon Grund genug für eine Reise nach Baden-Baden, so gibt es noch viel mehr zu erleben. Es gibt erfreulicherweise eine große Industrieausstellung mit lebhaftem Austausch mit den Ausstellern. Die Pausen sind großzügig bemessen und sorgen so verbunden mit einem leckeren Imbiss für einen lebhaften und fruchtbaren kollegialen Ausgleich. Hierbei kann man nicht nur „alte“ Freunde treffen, sondern auch neue Verbindungen herstellen. Auf ganz legere Art und Weise ist hier auch ein „meet the expert“ möglich durch Gespräche mit den Vortragenden, Vorsitzenden und weiteren interessanten Persönlichkeiten aus der agswn oder externe Gäste. Ich bin anhaltend absolut begeistert, was für tolle Gespräche ich in den letzten Jahren hier führen und somit „Connections“ herstellen konnte.
Fazit: Wer noch nicht in Baden-Baden war, dem sei es empfohlen. Eine Mitgliedschaft bei der agswn ist hierfür keine Voraussetzung, aber es wäre clever, denn dann ist die Teilnahme an der Jahrestagung kostenfrei und man erhält sogar noch zwei ansprechende und hochwertige Fachzeitschriften (Der NOTARZT und Notfall+Rettungsmedizin) dazu. Und das für mich Wichtigste ist die notärztliche (und somit meine) Interessensvertretung auf allen Ebenen.